So eine Freude, alle wiederzusehen! Den Pastor und seine liebe Frau und vor allem Peter! Menschen können sich so nah bleiben, auch über tausende Kilometer hinweg und Zeit - spielt eigentlich keine Rolle.
Die Predigt heute ist harter Stoff. Das Thema, so kurz vor Ostern, bringt uns gedanklich an die eigenen Grenzen. Wie weit würde man selbst gehen, wenn es um‘s Geben, um persönliche Hingabe geht?
Ein Kind zu opfern!? So wie Gott seinen Sohn für die Menschen opferte?
Pastor Lars nimmt uns an sicheren Händen mit zu Abraham, der fest im Glauben war und keine Zweifel an Gottes Fügung hatte. Er hätte seinen einzigen Sohn gegeben, wenn es Gottes Plan für die Menschen gewesen wäre..
In unserer heutigen Zeit, der zunehmenden Säkularisierung, stellt sich diese Frage für viele überhaupt nicht mehr. Und wir!? Als Christen!? Welche Opfer sind wir noch bereit zu geben, wie weit reicht unser Vertrauen, wo wir doch fast alles hinterfragen?!
Wie immer ist die Predigt für mich ein Geschenk. Zuhause habe ich des Öfteren Sonntags 2 Gottesdienste☺️, einen in unserer Gemeinde und nachmittags den livestream aus NY. Das ist spannend, da die Themen ja gleich sind und doch manchmal so unterschiedlich aufbereitet werden.
Beim anschließenden Kirchenkaffee rücken wir aneinander und tauschen die Neuigkeiten der letzten Monate aus. Ich bin froh, dass wirklich alle noch da und gut beieinander sind, denn einige sind mittlerweile sehr betagt. Es gibt ein paar neue Gesichter - ein Kommen und Gehen in dieser Gemeinde mit den doch vielen Expats und Gästen auf Zeit. Es werden Verabredungen getroffen, meine Zeit ist diesmal sehr begrenzt und doch möchte ich so viel wie möglich mitmachen, in der Gemeinde und natürlich mit den Leuten!
Die Sonne scheint, haha, wie fast immer. Es ist mild und wir wandern Richtung Central Park, die ersten Bäume blühen….und lots of daffodils….
Mein Plan für diese Reise ist es, amerikanischen, oder besser New Yorker Alltag, zu erleben. Allein die unterschiedlichen Biographien und Altersstufen all meiner Bekannten erlauben Einblicke in ganz verschiedene Strukturen.
Heute besuche ich Peter auf seiner Arbeit. Genau, der Peter, der eigentlich seit 27 Jahren nicht mehr arbeiten bräuchte, er ist 89 Jahre alt, wohnt in einem der eindrücklichsten Gebäude der Upper West side…und doch fühlt er eine Verantwortung, möchte etwas tun, wo es gebraucht wird - allein diese Einstellung wird man vielleicht bei uns in Zukunft kaum noch finden…
Er empfängt mich an der Rezeption im Eingangsbereich einer Senioren - Residenz, der Tresen ist sein Reich. Er schaut, wer rein und raus geht, telefoniert, hat ein Ohr für jeden dort. Und dies 2 mal die Woche, je 8 Stunden und manchmal auf Abruf..
Im Halbkreis sitzen seine » Groopies«, in diesem Fall keine weiblichen Teenager☺️ sondern ältere Damen jeglicher Couleur und auch ein paar Herren nehmen teil. Die meisten sehen etwas verlebt aus, überschminkt, Jogginghosen. Ein paar sind dabei, die sehr gepflegt und fein auftreten. Alle lieben Peter und alle erhoffen sich Kurzweil durch mich…
Sie eint, älter als 62 zu sein, ein Jahreseinkommen unter $ 52000 zu generieren und noch allein zurecht zu kommen. Die Appartements sind klein und preiswert, der Staat subventioniert. Die meisten leben allein.
Sie kommen ursprünglich aus Indien, Griechenland, Frankreich, Deutschland ……. oder den USA.
Sie können, brauchen oder wollen nicht mehr arbeiten und haben sich für diese, nicht die schlechteste, Variante entschieden. Es gibt einen Sozialarbeiter im Haus, in bester Lage, einen Waschkeller und Peter, der so glaube ich, eine gute Energie verbreitet und viele zueinander führt. Niemand dort muss allein sein.
Gefühlt werde ich sofort assimiliert, jede hat etwas zu berichten - ganze Leben voll - und ja, zuhören kann ich, nachfragen, Anteil nehmen. Ganz mein Ding hier!
Der Höhepunkt des Tages steht bevor, als eine Dame, einfach gekleidet, mit viel zu großen Turnschuhen ( vermutlich leidet sie unter Hallux?!) mit 2 großen typisch amerikanischen Einkaufskarren erscheint. Die Spannung steigt merklich. Einem Ritual folgend zieht sie ihre Jacke aus, faltet und legt sie weg und entledigt sich auch sonst aller überflüssigen Accessoires.
Eine Bewohnerin, in “höherer“ Position tritt in Erscheinung und gemeinsam werden nun die Inhalte der Taschen auf dem Tresen, wie auf einem Buffet, aufgebaut - es sind Lebensmittel aller Art!
Obst, Gemüse, Brot, Nudeln, Reis, Konserven, Eier, Kuchen(auch in einzelnen Stücken!), Milch……
Mein Gefühl schwankt zwischen peinlich berührt und Freude über diese Dinge…
Und auch dann wird, einem leisen Ritual folgend, das Buffet eröffnet…und je nach Temperament, gelangen all die Dinge zügig in dankbare Hände.
Peter hat unterdessen ein paar Sachen abgezweigt und in, unter dem Tresen vorbereitete, Tüten aufgeteilt…..für ein paar «Herzchen», die sonst nicht zum Zuge kommen 🥹!!!!!
Meine Gefühle sind immer noch nicht ganz auf der Höhe und ich versuche einfach, so normal wie möglich zu sein, als würde ich immer Sonntags dabei sein. Denn genau so verhalten sich alle anderen auch..
Am Ende sitzen wir zu dritt, die französische Heilsbringerin, eine sehr schöne deutsche Grande Dame und ich und philosophieren über die Weltpolitik und das Leben…..und sie verabreden mich zum nächsten Stelldichein, aber dann mit prickelnden Getränken…
Viel später verrät Peter, dass die Französin ( oder besser französische Amerikanerin!?!) eine reiche Lady ist, der Gatte hatte für Concorde in NY gearbeitet und dass sie jeden Sonntag kommt, mit vollen Taschen….die Leute hier erstaunen mich immer aufs Neue!
Wieviel sind wir bereit zu geben? Geld? Zeit?
Mensch sein braucht so wenig und kann so viel!
Amen 🙏🏼

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