Es darf noch ein wenig mehr Information zu meinem jetzigen Viertel sein, Bed-Stuy genannt ist eine Neighborhood im nördlicheren Brooklyn. Im 17./18.Jahrhundert von drei holländischen Farmern begründet, geht der Name auf die damalige Siedlung Bedford ( ich schrieb schon mal über die Bedford Avenue, damals längste befestigte Straße diesseits des East River) und den letzten Gouverneur Stuyvesant der Kolonie Neuniederlande zurück.
Mit ca 8800 Gebäuden die vor 1900 erbaut wurden verfügt dieser Stadtteil über den größten Bestand an Viktorianischer Architektur in den ganzen Vereinigten Staaten. Nahezu unberührt, viele Brownstones mit typischen Ecksteinen, Riffelungen, aufwendigen Fries - und Gesimsbändern. Zwischen 1890-1910 wurden sie hauptsächlich für die wachsende obere Mittelschicht gebaut, nach 1930 wanderte die schwarze Bevölkerung aus dem überfüllten Harlem zunehmend nach Brooklyn und in den 60 er Jahren waren 85 % Schwarze. Durch hohe Arbeitslosigkeit kam es zu sozialen und rassischen Spannungen, Bandenkriege brachen aus, Drogenhandel…, teilweise wurde die Polizei der Sache nicht mehr Herr. Erst durch viele Hilfsprojekte und den Einsatz von Sozialarbeitern und die Aufnahme Schwarzer in Beamtenposten oder in den Kongress konnte sich die Situation hier deutlich verbessern. Noch in den frühen 2000ern war die Kriminalität hoch, Tötungsdelikte nicht selten.
Heute zeigt das Stadtbild in Brooklyn etwa 46% Schwarze, Asiaten sieht man hier kaum. Der ca 30% weiße Bevölkerungsanteil wird großteils durch die jüdischen Gemeinden und Hispanics gebildet. Gentrifizierung auch hier deutlich zu spüren, die ‘Alteingesessenen‘ haben Angst vor den neuen Hipsters und vor steigenden Mieten, etc. Die Kriminalitätsstatistik ging zwar zurück und doch passiert eigentlich jeden Tag etwas, wenn man die Nachrichten verfolgt, von Ladendiebstählen über Autos, die irgendwo reinfahren oder sogar Leute überfahren, bis zu den momentan häufiger vorkommenden ’push’ auf die Metro - Gleise, was für ein Wahnsinn!?! Ich stelle mich schon immer mit dem Rücken an die Wand..
Diese Unterschiede in der Bevölkerungszusammensetzung zwischen Queens und Brooklyn und Manhattan konnte ich überall dort deutlich wahrnehmen, das ist schon sehr spannend.
Und da die Hitze gerade in die Stadt zurückkehrt sind wir heute nochmal an einen der Stadtstrände gefahren, Rockaway Beach.
Kilometerlang schönster Sandstrand und kaum Menschen, das verwundert immer ein wenig aber es gibt hier einfach so viele Strände und vielleicht sind zum Memorial Day Weekend eben doch alle verreist.
Unter den wachenden Augen der Rettungsschwimmer, die hier gerade alle 50 m ‘Hochsitzen‘ und nach Haien Ausschau halten, geht Heinrich noch mal baden und wir picknicken fein und nutzen die verbleibende Zeit und freuen uns über das gemeinsam Erlebte. Denn während ich schreibe fliegt er schon durch die Nacht gen Heimat…








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