….. und weil wir scheinbar noch nicht genug Kultur hatten und New York sich definitiv auch bei Malwine einschmeicheln möchte, gibts noch ein Live Konzert in der Sub….. volle Pulle !!!!!!!
Montag, 25. März 2024
Endlich mal Kultur!
Sonntag, 24. März 2024
Eldridge Street & Neighbourhood
Im Erdgeschoss meines Hauses, rote Markise, befindet sich ein Laden, indem man einfach alles, zum Überleben notwendige, erwerben kann. Von frischen Muscheln über Klobrillen, Besteck, Regenschirmen, 100 Jahre haltbaren Lebensmitteln und Plastikartikeln jeglicher Art. Wenn ich den Laden betrete ereilt mich akute Atemnot, es ist, als würde man sofort selbst zum Wegwerfartikel, Nachhaltigkeit, Verpackungsmaterial sparen - gibts bei Asiaten nicht. Alles ist einzeln verpackt und dann weitere 10000 x eingeschweißte Plastik…ich sehe vor meinem inneren Auge die riesigen Frachtschiffe mit den riesigen Containern über die Ozeane schippern, voll mit diesem Wahnsinn…da kann einem nur noch schlecht werden und man stürzt betroffen, um Atem ringend zurück auf die Straße. Und eigentlich wollte ich nur Toilettenpapier 🧻
Also wandere ich doch lieber Richtung Houston Street, da wollte ich sowieso ein paar Läden checken.
Diesen zum Beispiel:
Traditionsträchtig und sehr beliebt bei Einheimischen und natürlich dadurch auch bei Touristen. Hier in Lower East haben sich im 19. und 20 Jahrhundert viele Juden angesiedelt und natürlich haben sie auch ihre Küche mitgebracht. Einige Läden sind seit Generationen in Familienhand, sowie auch Katz‘ Delikatesse(schieb ich schon mal letztes Jahr) und Russ and Daughters. Hier gibt es viel frischen und geräucherten Fisch, Oliven, leckere Aufstriche und viel Süßes. Und sie zaubern super leckere Bagel 🥯, auch für diese Köstlichkeit ist NY bekannt. Ich lasse mir einen ganz ’Klassischen’ zubereiten - Pumpernickelbagel mit Cremecheese, Lachs, Tomaten, Zwiebeln. Ganz ganz lecker!
Und weil viele Einheimische sich mit ’Hamantaschen’ eindecken, nehme ich davon auch eine Packung mit, so eine Art Mürbeteigküchlein mit verschiedener Füllung.
Und weil Frühling ist, meine Familie kommt und ich es gern habe, kaufe ich auch noch ein paar frische Blumen🌷
Noho - nördlich der Houston (Soho-südlich der Houston!) ist ein sehr jugendliches Viertel, viele Kneipen, klitzekleine Restaurantes und Lädchen, auch Bio, was man sonst nicht überall sieht. Da schlendert man gern herum, ist auch alles erschwinglich und gemütlich, fühlt sich studentisch an.
Bevor ich meinen Besuch vom Flughafen abhole, (freue mich ja schon besonders auf dieses Erlebnis!!) treffen wir uns zum Dinner hier um die Ecke, selbstredend bei einem Asiaten.
Da wir ein paar mehr Leute sind verfrachtet man uns in den tiefsten Keller… Die Aircondition sorgt für luftige 13Grad?! Und wir bekommen Gesellschaft in Form einer ständig wachsenden Truppe junger Erwachsener, die irgendetwas ganz doll feiern 👯. Der Lautstärkepegel ist nahezu unerträglich, man versteht kaum noch sein eigenes Wort, geschweige die fremdsprachigen des Gegenübers. Wir messen zwischenzeitlich über 90 dB! Selbst die Kellner versuchen Einhalt zu gewähren , chancenlos…
Aber gut, das Essen ist lecker und wir machen das beste daraus, auf jeden Fall witzige Bilder.
Und anschließend trete ich die lange Reise zum JFK an und sammle meine beiden lang Gereisten ein. Nach dem Anschlag in Russland ist auch hier alles in Alarmbereitschaft, niemand darf in den Flughafen hinein, so warten alle draußen, in Nacht und Kälte 🥶 und Vorfreude…..
Samstag, 23. März 2024
New Yorker Kakteen sind auch klein und grün
Heute nun darf ich Peter auf ein mediterranes Dinner begleiten ins Brookdale, altersgerecht schon 16 Uhr.
Willkommen in Amerika! Das Brookdale ist eine Seniorenresidenz, Dontown in Battery Park City….Die Lobby erinnert an ein Nobelhotel, empfangen werden wir wie Könige. Peter ist bekannt, seit Jahren hofft man, er würde eines Tages dort einziehen und lädt ihn immer wieder zu diesen speziellen "Werbe" Dinnern ein. Wir dürfen in der Bibliothek Platz nehmen, ein wenig Smalltalk…, ich nehme ein Buch in die Hand - ha, Deko, es ist nur eine Schachtel! Aber sonst sehr gediegen, schwere Teppiche, bequeme Sessel, überall Getränke und Gebäck…..Ein paar Bewohner schleichen elegant und gepflegt vorbei, vorwiegend Frauen, naja wie oft in höherem Alter.
Kurz vor 4 werden wir dann eingesammelt und mit ca 12 anderen potenziellen Bewohnern, via Lift, in ein besonders schönes Apartment gebracht - aus einem Fenster hat man Aussicht auf den Hudson River. Eines der Grösseren, offene Küche, Wohnraum, Schlafzimmer, geräumiges Bad. Heute eingerichtet fürs Dinner.
Die Verantwortung fürs heutige Menü trägt die blonde Dame im Hintergrund, Ines, aus Ostberlin - wir klatschen sofort ab!!! (Vor 25 Jahren kam sie und blieb)
So laben wir uns an guten italienisch zubereiteten Speisen und rotem Wein, haben glücklicherweise sehr freundliche und interessierte Tischnachbarn, welche die ganze Welt bereist haben…sie deutlich jünger als er, aber er ist Zahlen - und faktensicherer, auch wie oft.
Gehts uns gut!
Nun was kostet denn dieses eventuelle zukünftige Leben dort? $15.000 im Monat…..
Puh, dies grenzt natürlich «Stuhlkreisteilnehmer» sofort ein und eben auch aus.
Wir entscheiden uns fürs Dessert und Kaffee und entfliehen fürs erste, nicht ohne Erinnerungspralinen und Flyer, denn der Tag hat ja quasi erst begonnen….
Etwas in Eile haschen wir Bus und Bahn uptown, unser nächstes Ziel - Carnegie Hall Midtown.
Thema in dieser Woche - Weimarer Republik. Lesungen, Kabarett und Musik, in unserem Falle habe ich das große Glück, ein vor 3 Wochen in Berlin verpasstes Konzert von Max Raabe jetzt hier in New York zu erleben, wie großartig!! Mal nach Berlin oder NYC fahren, bisschen Kultur, ein paar Freunde besuchen…..
Wir treffen noch ein paar Leute und erleben ein ausverkauftes Haus, ein wunderbares Konzert und ein feierndes, mitgehendes Publikum. Max Raabe und sein Palast Orchester nehmen alle mit auf eine Reise in die 20-, und 30- er Jahre des letzten Jahrhunderts, erinnernd an die Comedian Harmonists, Texte von Berthold Brecht und Kurt Weil, einigen jüdischen Komponisten und Liedermachern und Amerikanern dieser Zeit. Er singt deutsch oder englisch, einige Lieder kennt man gut.
An der Subway am Bryant Park in der 42th grüßt das Empire State heute Nacht in rot herüber…..
Freitag, 22. März 2024
Nine to Midnight
Es gibt nur diesen einen Tag und ein Zeitfenster von ein paar Stunden, Susanne zu treffen!
Denn natürlich haben alle ihren normalen Alltagswahnsinn, wäre ja bei uns nicht anders.
Ich bin um so dankbarer, dass ich eigentlich mit allen, die mir wichtig sind, Zeit verbringen darf. Und um alles zu optimieren, fahre ich raus nach White Plains, kenne ich ja schon gut und es ist ja immer wieder spannend von der Grand Central Station mit dem Zug zu "verreisen".
Donnerstag, 21. März 2024
Sichtachsen
Wenn ich aus meinem Haus auf die Straße trete und nach rechts sehe kann ich bis nach Midtown schauen, Chrysler Building grüßt aus der Ferne. Zu Fuß gehe ich ungefähr eine Stunde, durch Chinatown, Bowery, Soho, Nolita, Noho, Gramercy oder Flatiron, je nachdem, wo man sich langschlängelt.
Natürlich war ich im Bryant Park, die Eisbahn ist abgebaut - war ich leider wieder zu spät zum Schlittschuhlaufen - und der Rasen gesät, immer wiederkehrende Kreisläufe, alles wird eingezäunt und Mitte April/Anfang Mai zum Lümmeln eröffnet. Aber auch jetzt sitzen schon alle draußen, der Park ist voll und fröhlich, Frühling in der Stadt. Bestimmt sind auch ein paar Schüler der ec NYC Sprachschule dabei und fangen gerade mit allem erst an 🥹
Es lockert auf und das Wetter ist viel zu schön um irgendwo reinzugehen, ich kann tatsächlich alles richtig laufen lassen, kein Kulturdruck, nichts muss - alles kann lediglich. Am Wochenende kommen Heinrich und Malwine und dafür hebe ich mir ein bisschen Museums- und sightseeing-Lust auf!
Ich treffe C, eine Freundin von Cynthia, und wir wandern stundenlang durch den Central Park, erfreuen uns an frischen Farben und wärmenden Sonnenstrahlen. Eine Historikerin und Sprachwissenschaftlerin, Dozentin, Feministin….gerade schreibt sie an ihrem 2.Buch. Es ist spannend, wie man sich heutzutage thematisch aneinander herantastet, erstmal viel hören und sensibel nachfragen. Später direkter und im besten Falle ein guter Diskurs. Das liebe ich.
Mittwoch, 20. März 2024
Ricardo und The Back Room
Wer sind eigentlich Ricardo Gonzales und seine Frau Ashley?
Eigentlich könnte ich auch ein paar Wochen einfach in dieser Wohnung bleiben!
Es gibt täglich neue Dinge zu entdecken, hier noch ein Bildchen, da noch ein interessantes Buch, ein Text an der Wand, Filme, die man unbedingt schauen möchte ….
Ich liebe diese erzählenden Räume! Jedes Detail hat eine Geschichte, kein Raumausstatter dieser Welt kann so etwas hinbekommen, alles atmet, erinnert, verspricht, verstört, windet im Gehirn herum und macht irgendwas mit dir.
Ich bin dankbar, hier sein zu dürfen.
Also, Ashley ist diese großartige Frau, welche dem Künstler den Rücken freihält, die Mutter des gemeinsamen Kindes und ihres Zeichens Lehrerin.
Ricardo Gonzales, in México City geboren, in NY diverse Kunstakademien besucht, auch in Europa(Spanien),bescheiden sagt er von sich, er versucht sich in Kunst. Und ja, er hat tatsächlich gerade eine Einzelausstellung in Südamerika. Meinen Recherchen nach, und in einigen seiner Bilder auch in der Wohnung, hat er sich viel mit den Themen Leben vs. Tod, teilweise kindlich naiv oder im Cartoon-Stil beschäftigt. Manche Werke wirken auf den ungeübten Betrachter etwas verstörend -so schaut man, im Bette liegend, direkt auf zwei Totenköpfe….nun ja, Kunst eben….
Die Farben sind auch irgendwie immer sehr gesetzt und düster, finde ich.
Aber ich liebe diese Wohnung, in der ich tagtäglich ein - und ausgehe wie und wann ich es mag, einschlafe und aufwache, Kaffee trinke, Essen bereite, Leute einlade….
Das Dunkel der Bilder erleuchte ich mir mit viel echter Sonne und starte eine Wanderung, von meiner Wohnung aus, über die Williamsburg Bridge - war tatsächlich noch offen!
Auch den Riverside Parkway dort drüben kenne ich nur vom Wasser aus, es ist Zeit, diese Lücke zu schließen! Großartig umgestaltet, das Alte mit Modernem in Einklang gebracht, kaum jemand ist unterwegs, es pfeift allerdings auch eisiger Wind..
Ich finde, man kann sich dann, nach ein paar Kilometern, auch mal so richtig belohnen, in der guten alten Bedford Street - der erinnernde Leser weiß natürlich, daß es sich um eine der ersten, längsten durchgängigen Straßen in Queens/ Brooklyn handelt 😉
Und weil ich ja NYC Alltag erlebe wird die Nacht zum Tag gemacht!
10 min Fußweg bringen mich in den Back Room, durch eine unauffällige Gittertür gelangt man über einen langen, engen Gang in einen Hinterhof. Treppe rauf, Tür auf, Gesichtskontrolle und rein in die Prohibition! In Erinnerung an alte Zeiten wird hier getanzt, getrunken, gesungen ….samtene Couchen träumen unter verhangenen Kronleuchtern, anzügliche romantische Gemälde, aufwendige Holzvertäfelungen, ein bewachter Durchgang hinter einem Bücherregal - die Leute verstehen zu feiern! Cocktails trinkt man aus Kaffeetassen, Bier in Papiertüten gehüllt - Prohibition eben. Wer Glück hat,trifft hier Bands wie U2, Pearl Jam, Adele…..
Die Band spielt Swing, Jazz, Blues….getanzt wird alles, herrlich. Eine Weile schaue ich mir die Schrittfolgen an, dann lasse ich es einfach laufen… es gibt Profis und Amateure und niemand schaut…
naja, wir sind ja auch in New York!
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