Sonntag, 4. Juni 2023

Langsame Abschiede

 Wie ich es mir für meine letzte Woche vorgestellt hatte, die Tage werden länger, die Nächte werden zum nächsten Tag, geschlafen wird am Ende…..oder eben nicht….

Meine täglichen Central Park Runden klären den Kopf und schaffen Raum für immer noch Neues.


Die zwei fassen für mich ein ganzes Leben zusammen. So einfach. Auf offener See oder im Tümpel, ruhig oder im Sturm, im großen Ganzen und doch geschützt einander zugewandt, Fürsorge und Ermunterung, Vertrauen, stetiger Fluß, über jegliches Alter hinweg, unaufgeregt…

Stehe ich davor, rührt es mich zutiefst an.

Das Traurige an diesem Sonntag - kein Gottesdienst, Pastor L ist erkrankt. Zur Sorge um den Erkrankten mischt sich der Verlust meiner letzten Möglichkeit, alle noch einmal zu sehen, mich zu verabschieden. Viele Nachrichten gehen hin und her, Fragen nach alternativen Treffen, Kaffee, Dinner….erbarmungslos ticken die Zeiger einfach weiter….

Und fast denke ich, daß es Schicksal ist, hatte ich doch tatsächlich etwas Angst vor diesem Tag. Ich spürte bereits die Schwere und die Tränen, derer ich nicht Herr geworden wäre…jetzt habe ich es in der Hand, wen ich nochmal treffe. Wie gut, daß ich in White Plains war, da fiel das Auseinandergehen noch leicht!

Die zweite Gruppe sind meine Schulfreunde, die, die noch hier sind, die, mit denen es Trivia gab, Kneipentouren, stundenlange Gespräche, als Klasse und als Freunde zusammengewachsen.

Besonders hier spüre ich mein, immer zu solchen Situationen passendes, Bild der Sanduhr lebendig werden. Aus allen Richtungen strömen die Körnchen zueinander, drängeln sich, tauschen sich aus, kleben aneinander, rücken von links nach rechts, der eine schneller als der andere, intensiv, voller Energie…und dann geht ein Jedes seiner Wege…bis keiner mehr da ist. Auch das gilt es bis zum Letzten auszukosten!

Und ja, dann naht der Abschied von Cynthia, die mir wie eine große Schwester geworden ist. Wir spüren das beide und sie möchte mich am liebsten überall hin mitnehmen. Aber natürlich möchte ich New York nicht mehr verlassen in diesen Tagen, es gilt, die emotionalen Koffer randvoll zu stopfen.

Also bin ich kaum noch allein unterwegs, die letzten ungelaufenen Straßen werden erkundet, Manhattan ist zur Westentasche geworden, Chelsea, Hell’s Kitchen, Koreatown, Tribeca, Nolita, East Village…., Wir finden das Ghostbusters Headquarters und freien Eintritt 🤭 ins Museum of Illusions, essen Ramennudeln in der 3.Avenue, Robert de Niro Burger im Hollywood Diner, probieren die Cocktails aller Kneipen und tanzen im Oscar Wilde durch die Nacht…











In den frühen Morgenstunden treibt es alle Nachtschwärmer in die Sub und ich merke, wie ich es genieße und wie gemütlich es sich anfühlt, in einem Waggon alle Farben, alle Sprachen ( die ganz ’Verlorenen’ jetzt mal außen vor, die schlafen tief und fest) und alle sind guter Laune und spaßen miteinander und sind fürsorglich mit manch ’Halbverlorenen’ und finden hoffentlich sicher nach Hause….so wie ich…






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