Herrlicher Tag gestern! Morgenrunde durch den Central Park, diesmal die obere.
Es gibt dort so viele verschlungene Wege, man braucht wahrscheinlich Jahre, um alle Varianten abzulaufen.😄 Überall etwas zu entdecken, Seen, Brücken, Denkmäler, Brunnen, Pflanzen in voller Blüte, soooo viele Tierchen. Es ist überall sehr sauber und gepflegt und die Parkbesucher halten sich vorbildlich an die Regeln. Wenn also irgendwo neuer Rasen gesät oder ausgebessert wurde, gibts ein Zäunchen und ein Hinweisschild - und niemand betritt die Fläche bis zur Freigabe.
Das Einhalten einfacher, ungeschriebener Regeln, die das Leben für die Gemeinschaft freundlicher gestalten, ist für die meisten Amerikaner Lifestyle. So stellt man sich an der Haltestelle hinten an, klar!
Überall wo es darum geht, ’wer zuerst da ist, malt zuerst’ wird das selbstverständlich akzeptiert, kennt man aus vielen Ländern - nur nicht aus Deutschland. 🤷🏼♀️
Jedenfalls habe ich einen zweiten Ausflug nach White Plains unternommen. Zum einen gab es ein gemeinsames Abendessen im Pfarrhaus und zum anderen wollte ich noch Zeit mit S verbringen, einer tollen Frau aus der Gemeinde, stellvertretende Kirchenratsvorsitzende, hört sich bisschen zu altbacken an für diese toughe Person. Wir hatten einen besonderen Draht vom ersten Gottesdienst an, Wochen her…
Mittags holte sie mich vom Zug ab und dann fuhren wir ans Meer…oder besser in eine Wander- und Marschlandschaft.
Die richtige Natur rund um New York ist schnell zu erreichen und wirklich sehr schön, viel Wasser natürlich und Wälder, sogar etwas hügelig. Fühlt sich auch mal wieder gut an!
Während unserer Wanderung erhalte ich interessante Einblicke in den Alltag als Familie hier, wenn man diese Entscheidung trifft, für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. In den meisten Fällen sind es die Männer, die diese Jobangebote wahrnehmen und der Rest der Familie kommt eben mit. In diesem Fall, wie in einigen der Gemeinde hier, ist BMW der Arbeitgeber und New York natürlich ein besonderer Ort.
S’s Mann ist Mathematiker und beide sind sehr gescheit. Sie selbst ist Sozialwissenschaftlerin, hier allerdings hauptsächlich Gattin und Mutter. Die drei Kinder, etwas jünger als unsere, haben bereits 6 Jahre hier gelebt, eine wesentliche Zeit in so jungen Jahren, das Englisch ist perfekt, großartig natürlich! Und doch ist der Älteste nun zum Studium zurück nach Deutschland gegangen, er hängt noch am meisten an der alten Heimat..
Sie bewohnen ein wunderschönes Haus mit Garten in einer Nachbarschaft, in der niemand die Türen abschließt, es aber auch keine Fußwege gibt, da sowieso niemand ohne Auto hier leben kann. Interessant für mich, alles rund um diese Expats, war mir vorher nicht so bekannt und hier trifft man viele.
Die Firma zahlt für eine bestimmte Zeit quasi alles. Das Haus, zwei Autos, BMW‘s naheliegenderweise, die Privatschule für alle Kinder, Versicherungen …. und ein Gehalt, von dem ein sehr gutes Leben für alle möglich ist, man braucht nicht aufs Geld zu schauen. Das klingt schon verlockend, solange es sich für alle Beteiligten gut anfühlt. S hat sich arrangiert, ihre Räume und Möglichkeiten gefunden, auch abseits der typischen ’Damenrunden’, die das echt amerikanisch betreiben, Tennisclub mit ewigem Grinsen, Hausfrau und Mütterdasein, hübsch anzuschauen, eine abgefahrene Show. Man hat auch gar keine Chance, wer Kinder hat, beaufsichtigt sie bis zum 14. Lebensjahr. Die armen Kinder🫣werden bis zur Schulbustür gebracht und geholt, kein Weg allein, nicht mal um die Ecke zum nächsten Freund, niemals abends allein zu Hause. Zum Sport, Musik, Geburtstag gebracht und geholt - andernfalls steht das Jugendamt parat. Diese Kinder kennen keine Abenteuer im eigentlichen Sinne, grauenvoll…..Für die Tochter ist es das Schönste, im Urlaub in D, allein mit der Freundin zum Eisladen zu gehen. Unvorstellbar für mich! Klar, daß ’Mutter‘ gar nichts anderes anfangen kann.
Alles schön beschaulich…..hier zwei Bilder von Rye, einem niedlichen kleinen Ort am Meer, indem wir uns mit Kaffee und Süßem belohnen..
In einem Jahr wird neu verhandelt, noch weiß niemand wie oder wohin es geht, nach D zieht es sie gerade nicht zurück….
Also so ein Leben kann ich mir für mich absolut nicht vorstellen, ohne eigene Arbeit, welche mir viel Zufriedenheit und Wertschätzung bringt, eine andere als als Mutter, Ehefrau oder sonst noch so, würde ich mich nicht so gut fühlen, glaube ich. Wir sind natürlich auch so groß geworden und damit vollkommen emanzipiert im wahren Sinne des Wortes. Und die von uns auserwählten Männer haben die gleiche Vergangenheit und somit gab es immer schon die absolute Gleichberechtigung. Zumindest kann ich das für unsere Familie so feststellen.
Hier, inmitten dieser Kreise konnte ich beobachten, wie unterschiedlich, auch 30 Jahre nach der Wende, wir doch noch sind. Oder eben doch immer noch die Kinder unserer Eltern. Denn mitnichten sind die Aufgaben gleich verteilt, fast alle Männer rund um unser Alter übernehmen eigentlich keine alltäglichen Arbeiten. Gefühlt, von der liebenden, verwöhnenden Mama zur verwöhnenden, liebenden Ehefrau gezogen, welche die Kinder erzieht, den Haushalt fein richtet, die Wäsche macht, einkauft, kocht, abräumt, abwäscht…..während die Herren natürlich sehr wichtig arbeiten und das Geld nach Hause bringen. Sie übernehmen immer die Gesprächsführung, lassen ihre Frauen die vollen Taschen tragen, können der Geliebten in der Abendkühle nicht mal eine Decke holen und leben dies ihren Kindern vor….wo mir fast der Kragen platzt! Also unsere Kinder sind wie wir und werden sich hoffentlich immer daran erinnern!
Interessanterweise ist meine Angst um den Verlust der oder die, in vielen Teilen der Erde gar nicht erst eintretende, Gleichberechtigung der Frau eine meiner Grundängste, die mich seit früher Jugend begleitet.
Am Abend dann unser Zusammentreffen bei der Pastorenfamilie, jeder hat etwas mitgebracht und wir drängeln uns alle raus auf die Terrasse, denn es ist Sommer! Es ist ein wenig Konfirmationsnachlese und eventuelles Erinnern an die Eigene, den Konfirmanden- Unterricht, den Akt an sich, hat man es bewusst erlebt oder war es nur die Routine, der eben alle folgten - denn ich bin die einzige Ostdeutsche. Alle anderen sind entweder sehr alt und schon ewig hier, die Jüngeren kommen geschlossen aus den alten Bundesländern oder sind sogar Nachwendekinder. Insofern bin ich hier eine der Wenigen, die sich schon jung bewußt für Jesus und seine Geschichten interessiert hat. Ich habe Jugendweihe gefeiert und bin nebenbei in die Kirche gegangen und dann in die junge Gemeinde, war auf der Suche und fand eine Gemeinschaft und meinen Glauben.
Jeder hatte seine Geschichten zu erzählen, manch einer war immer fest in seinem Glauben, Pastor L bereits als kleiner Junge, bei anderen gab es Hadern und Zweifeln, Zurückfinden. Spannende unterschiedliche Lebenswege und doch haben wir alle in unserem Glauben zumindest einen gemeinsamen Nenner, für den ich besonders in den letzten Monaten sehr dankbar war; ich habe hier in New York eine Gemeinschaft gefunden, die mich freundlich aufgenommen hat, mir gute Begegnungen und Momente geschenkt hat. Ich bin ein Teil geworden, konnte gemeinsam singen, beten, Trost spenden und erhalten, Ostern und Konfirmation feiern. Ich weiß, daß ich jederzeit wieder willkommen sein werde, denn schon heute Abend sind alle traurig, daß meine Zeit hier zu Ende geht.
So ist das in dieser Gemeinde St Pauls in New York City, Menschen kommen und gehen, manche bleiben eine Weile, manch einer für immer…








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